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Rockin Till Death

Aufgrund des zehnjährigen Jubiläums von Rockin Till Death hat Claudio einen Text über die History seiner Crew geschrieben, welcher nicht nur eine Aneinanderreihung von Fakten ist, sondern aus einer persönlichen Sicht geschrieben ist. Claudio hat ihn mir zur Verfügung gestellt und somit könnt ihr mehr über die B-Boy Crew erfahren. Viel Spass damit!

http://www.rockintilldeath.de/ | http://www.streethop-records.de/


 

Es ist nun einige Zeit vergangen und wir haben viele gemeinsame Hürden überstanden, es gab Höhen und Tiefen in unserer zehnjährigen Laufbahn als Crew.

Im Jahre 1995 gründete Tanzer Caylak die Break Dance Formation Incredible Breakin Moves, kurz „IBM-Crew“.
Es war eine Crew die anfangs aus zehn Offenburgern bestand.

Tanzer aka Tanzi und sein Crew Partner Tommy, die auch Members einer sehr bekannten Graffiti Crew waren
(und auch einige Jahre älter als wir), haben uns den Weg gezeigt, den wir dann letztendlich selber gegangen sind.

Wir haben alle gesprüht, echt die ganze Crew hat gemalt, zu der Zeit gehörte das einfach dazu.

Wir waren in einem Durchschnittsalter von 14-16 Jahren und sind jedes Wochenende mit dem Zug auf Jams gefahren. Es gab so viele Nächte an denen wir an Bahnhöfen übernachtet haben und viele andere Besucher der Veranstaltung kamen nach den Jams auch dort hin, so dass die Party am Bahnhof die ganze Nacht weiter ging.
Es gab Kreise mit B-Boys, Beatbox-Sessions und Freestyle-Battles. Manchmal kamen dann BGS Beamte und wollten uns vertreiben weil wir morgens um 5 eine Jam in der Bahnhofsunterführung gemacht haben.

Wir sind gut ein Jahr auf Jams gefahren und haben uns unsere T-Shirts fett mit „IBM-CREW“ bedruckt, so dass wir auch ja auffallen während wir am Kreis rocken und das hat auch gewirkt, wir haben es geschafft in nur einem Jahr den Namen unserer Crew in ganz Süddeutschland bekannt zu machen. So fing es dann an, dass wir auch eingeladen wurden und auf einmal auch mit den Kings auf dem Flyer standen. Schon 1995 organisierte Offenburgs Hip Hop Mama „Margitt Esposito“ aka Maggy mit ihrem Sohn Claudio die erste Hip Hop Jam in Offenburg auf der gemalt ,gebreakt ,gerappt und gescratcht wurde und 1996 folgte gleich Part 2 am alten Flugplatz in OG-Hilboldsweier. Auf der Jam fand ein legendäres Battle zwischen den South Side Rockers und den Unique Wizzards statt und es kreuzten namhafte Leute auf die nicht eingeladen waren, wie z.B. Stieber Twins oder Cora-E, aus Dänemark von Out of Control war Thomas da und viele mehr……. Viele die heute auf dick machen in Offenburg, wissen das nicht einmal, aber Leute da fängt Offenburgs Hip Hop Geschichte an (don’t forget the Roots).

Im Jahre 1997 hatten wir uns von einigen Mitgliedern unserer Crew getrennt. Tanzi und Tommy hörten auf mit dem Breaken. Jetzt waren wir nur noch zu fünft und beschlossen den Namen der Crew zu ändern und richtig durchzustarten. Rockin till Death wurde geboren! Es war die Idee von P-Vers mit dem Namen Rockin till Death und wir waren sofort begeistert davon. Kurze Zeit darauf hat sich die Crew um drei Tänzer vergrößert. Wir hatten uns mit den aus Friedrichshafen stammenden Battle Maniacs zusammengeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch schon unser erstes großes Ziel vor Augen: wir wollten beim Battle of the South mit machen.

Wir haben uns jedes Wochenende in OG oder FN getroffen und wie die gestörten trainiert.

Wir waren wie eine große Familie!

Der Tag kam an dem das Battle of the South stattfand und wir hatten eigentlich nur den Gedanken „dabei sein ist alles“, keiner hat irgendwie vom Finale geredet. Als die Jury dann am Ende bekannt gab, dass der erste Platz an „RTD“ geht, sind wir ausgeflippt. Zu dieser Zeit war das noch was besonderes, wir waren das erste Mal süddeutscher Meister (1998). Die Crew bereicherte sich um ein weiteres Mitglied: Peter aus Pforzheim von „FBB“.

Es folgten viele Battles und Erfolge, wir waren nur noch unterwegs. Spätestens nach dem internationalen Battle of the Year kannte die ganze B-Boy Welt unseren Namen und wir gehörten ganz oben zu den Kings in Deutschland.

Es war erstaunlich zu sehn, wie diese Videos weltweit rum gingen, egal auf welchen Jams wir waren, die Leute kannten uns von den Tapes und haben uns angesprochen, wir hatten echt sehr viel Props bekommen.

1999 haben wir dann einen Job im Europapark bekommen und hatten fast acht Wochen lang vier Shows am Tag, die zwanzig Minuten gingen. Hier lernten wir Disziplin, Professionalität und eine Menge Bühnenerfahrung.
In Zusammenarbeit mit dem Europapark organisierten wir einen internationalen Break-Dance Contest, „Europapark-Rumbel“, im Freizeitpark. So was hat es zuvor noch nie gegeben, zwischen Achterbahn und Zuckerwatte harte Beatz und B-Boys die verbissen um den ersten Platz kämpfen. Wir saßen mit neun Mann unserer Crew in der Jury.

Ein Jahr später wollten wir es wieder wissen und nahmen erneut beim Battle of the South teil und konnten den Titel wieder nach Hause holen.

Wir hatten die Ehre beim B.O.T.Y. 2000 (das war übrigens das zehnte B.O.T.Y. und auch das Größte bis heute) teilzunehmen. Über zehntausend Leute in der Halle und viertausend davor die keine Karten mehr bekamen. B-Boys aus aller Welt sind angereist und wir standen auf der Bühne in der riesigen Halle auf der EXPO 2000 und durften Deutschland präsentieren. Wir belegten den fünften Platz und hatten die Anerkennung der ganzen Szene für unsere Show bekommen, die von DJ Larry D gemixt wurde. Es war auf jeden Fall einer unserer absoluten Höhepunkte in den zehn Jahren.

Parallel zu dem ganzen Wettkampf-Training stellten wir auch eine neue Show für den Europapark zusammen.
Unter dem Namen „Ultimate B-Boys“ traten wir im Park auf, weil Rockin till Death ihnen zu hart war. Es war eine schöne Zeit und wir haben sehr viel gelernt von und miteinander. Es folgten Fernsehauftritte für VIVA, MTV, RTL 2, BTV und wir tanzten im Toni-L Video-Clip zu „Der Funk Joker„ und einigen anderen Clips mit.

Die Firma Eastpak hat uns auch deutschlandweit auf Tour geschickt und uns zahlreiche Auftritte besorgt.

In diesem Jahr kam dann der zehnte und letzte Crew Member zu uns ins Boot, Tonytoon, ehemalige „Unique Wizzards“ aus Mannheim. Ein Musical war in Planung und wir haben Monate lang in Freiburg Schauspielunterricht genommen und mit Speedy von Battle Squad an einer Choreographie gearbeitet. Letzten Ende’s fand es dann aus finanziellen Gründen nie statt, aber wir haben sehr viel daraus gelernt und mit auf den Weg genommen.

Die Crew wurde all die Jahre von Claudio Esposito gemanagt und nebenher hat er auch noch die ganzen Hip Hop Jams in Offenburg organisiert und sich sehr für die Kultur und den Nachwuchs eingesetzt.

Wir hatten zahlreiche Workshops in Jugendhäusern im ganzen Land gegeben und wurden auch immer öfter mal als Jury auf Battle’s gebucht.

Die Szene fing schon gegen Ende der Neunziger an sich zu verändern und es wurde immer schlimmer.
Die meisten Breaker die angefangen haben zu Tanzen haben nur noch von Videos kopiert und wollten keine eigenen Styles erfinden. Es kam soweit, dass einer der auf einer Hand steht und Freezez bitet, mehr Reaktion beim Publikum auslöste, als einer, der sich noch Gedanken macht und versucht eigene Styles zu entwickeln.

Es gab kaum noch Jams, auf einmal hat jeder nur noch Battles organisiert und es gab eine Überflutung von Contests. Aus der Traum von den Partys an denen die B-Boys mit den MC’s und Writern zu den Beatz der DJ’s gemeinsam feierten, es hat sich alles gespalten. Deswegen haben wir die Gettin Up Jam (Back to the Roots) ins Leben gerufen um den wahren Hip Hop der neuen Generation zu vermitteln. Wir wurden in Holland, Frankreich, Schweiz, Österreich, Ungarn, Italien und fast jedem Winkel Deutschlands gebucht.

Es war eine Zeit die keiner von uns jemals vergessen wird! In den Hotels, im Flugzeug, Zug oder auf der Autobahn, das drum herum hat uns zusammengeschweißt, nicht nur das auf der Bühne, die ganzen Erlebnisse wenn wir auf Tour waren und Scheiße gebaut haben, das hat uns geprägt. Wir hatten beschlossen nicht mehr beim B.O.T.Y mitzumachen, weil uns der ganze Hype der Szene nicht gefallen hat. Wir waren viel unterwegs und haben Auftritte gemacht und internationale Connections geknüpft. Die Stadt Offenburg hat uns im Jahre 2002 bei der Sportlerehrung mit einer Medaille und Urkunde geehrt, als Anerkennung und Glückwunsch für hervorragende Leistung und weil wir den Namen der Stadt überall hin trugen auf unseren Wegen.

Doch im Jahr 2003 hat es einige von uns noch einmal gejuckt beim B.O.T.Y. mitzumachen, es wurde diskutiert und wir haben gemeinsam beschlossen, den Weg noch einmal zu gehen. Wir haben es als einzigste deutsche Crew geschafft bei dreimaliger Teilnahme auch dreimal das Battle of the South zu gewinnen und dazu muss man noch hinzufügen, dass es mit derselben Formation war wie damals, da es ja heutzutage an der Tagesordnung ist ein Allstar Team zu gründen. Als dann das Nationale B.O.T.Y kam stimmte schon irgendwas in der Crew nicht mehr und wir haben uns auch an dem Tag so schlecht wie nie zuvor präsentiert. Wir sind mit fünfzig Personen in einem Reisebus nach Hannover gefahren und waren danach so enttäuscht. Die Diskussionen gingen schon auf der Heimfahrt los, „nie wieder mach ich da mit“ und so Sachen. Von diesem Zeitpunkt waren wir nicht mehr die Crew die wir mal waren, es gab Meinungsverschiedenheiten und auch private Probleme untereinander.

Nach all den schönen Jahren als Crew und den vielen großen Momenten kam nun der tiefste und traurigste Part unserer Zeit, wir trennten uns von Kenan, Peter und Nori. Warum und wieso genau sind private Dinge, die unter uns bleiben sollen und auch niemanden was angehen. Für uns ging alles weiter wie gehabt und wir machten unser Ding weiter.

Gianni, Davide und Claudio haben ja auch noch eine B-Boy Crew in Italien, „The Footwork Mafia“, mit der sie 2004 in Rom im Theatro Olympico beim B.O.T.Y. Italy den dritten Platz belegten und für Rai 3 einen Fernsehauftritt machten. An diesem Tag holte Claudio sich einen schweren Bandscheibenvorfall, seit nun mehr als einem Jahr kann er nur ganz wenig und vorsichtig tanzen, „ich bin B-Boy 4 Life“, trotz allem macht er noch Shows mit den Jungs und bezieht „RTD“ auch in sein Music Project Streethop-Records, dass er mit P-Vers am laufen hat, mit ein.

Ja, nun sind wir bei 2005 und es hört nicht, auf wir haben wieder einige Shows im Europapark bekommen und die Zukunftspläne stehen auch. Es gibt Leute die uns schon Tot geredet haben, aber ihr wisst doch, Unkraut vergeht nicht und wir sind immer noch da. Auf die nächsten zehn Jahre Rockin till Death & P-Vers!

An dieser Stelle möchten wir uns noch bei allen bedanken die an uns geglaubt haben und an uns glauben, bei unseren Familien und Freunden die immer mit uns gefiebert haben. Danke auch an unsere Sponsoren die uns unterstützt haben, „Eastpak“, „Southpole“, „Puma“ und „Kadus“. One Love an Sezai und Tesfai, mit denen wir in zwei Jahren auch zehnjähriges haben. Tony aka Toni der Assi, mit dem auch weiterhin eine dicke Freundschaft besteht.

Und ein ganz großer Dank geht an Tanzer Caylak (the Teacher), ohne dich wären wir nie da wo wir heute stehen und hätten auch nicht die Foundation die uns so weit gebracht hat!„Knowledge is the key to success“.

Claudio, Gianni, Davide, Beto, Sezai, Tesfai & P-Vers Rockin till Death for ever! Wahre Brüder!