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Bomber

GBF, FBI, TRD, SUK, DBL, SAA, HS, YCP…wer das jetzt für eine Auflistung irgendwelcher Buchstabenkombinationen hält, sollte mal tief in sich gehen und sich fragen, was er hier macht. Dies sind die Crews, in denen Bomber Mitglied ist. Bomber aus Frankfurt ist einer der alten Schule, der nach zig Jahren immer noch dabei ist und aus seiner Liebe zur Kunst sein Leben gestaltet hat. Bekannt ist er nicht nur für seine Bilder sondern u.a. auch für seine Old School Jams ( z.B. Spring Jam, Frankfurt, 1992 – mehr als 4.500 Besucher!).

 

http://www.bomber.de/


 

HHWS: Wie und wann bist du zum Sprühen gekommen?

BOMBER: Ich habe 1983 durch meine Mutter, die mich darauf aufmerksam machte, nachts eine Dokumentation über NYC im Fernsehen gesehen. Sie hieß: U-Bahn Bilder und verrückte Beine. Fand ich erst völlig unsinnig, aber am nächsten Tag ist mir ein Lied daraus nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich bin dann in den örtlichen Plattenladen gegangen und habe nach dem Lied gesucht. Damals völlig unmöglich…Es war übrigends: „The Message“ von Grandmaster Flash & The Furious Five.

Ein Jahr später kam dann die Breakdance Welle über die Medien und ich war hin und weg und fing mit einem Klassenkameraden mit großem Erfolg an zu breaken, vorrangig Robotstyle (also poppin, wie ich heute weiss). Wir gewannen zwei Stadtmeisterschaften und tanzten auf etlichen Veranstaltungen und in der Schule. Zusammen waren wir ungefähr viermal in Beat Street, auch wenn das Kino mittags leer war.

Um 1985 verschwand Breakdance aus den Köpfen der Leute, aber ich war, wie einige andere auch, infiziert vom Sound und der Bewegung und hörte nach wie vor „Breakdance- Musik“ und Electro ( das Wort Rap war damals noch nicht wirklich bekannt). Dafür bekam ich natürlich immer nur ein mitleidiges Lächeln, da alle Pop, Rock und Wave hörten. Um 1987 / 88 kamen dann die gleichen Leute, die mich immer dafür auslachten und fragten bei mir nach, ob ich ihnen Beastie Boys, Run DMC oder LL Cool J, die damals bekannter wurden, aufnehmen könnte.

In einem Video von Malcolm McClaren zusammen mit der Rocksteady Crew auf Formel Eins (einer Musiksendung) sah ich damals ein Piece von Bill Blast im Hintergrund, das mich völlig wegburnte. Ich male schon seit meinem vierten Lebensjahr und habe da auch schon angefangen zu lesen, da meine Mutter keinen Bock mehr hatte, mir ständig die Geschichten um die bunten Bilder herum bei Asterix vorzulesen. Ich sagte immer nur: „Noch mal Mami“.

Schon 1985 hatte ich die Garage unserer Nachbarn mit einem sehr üblen Beat Street Bild nachts verunstaltet. Aber los ging es dann erst 1988, nachdem ich immer schon nach Mainz mit der Bahn fuhr um dort in die Museen, ich interessiere mich nach wie vor sehr für Archäologie, zu gehen. An der S1-Line (Frankfurt – Wiesbaden) waren damals schon hochkarätige Leute aus Mainz und Wiesbaden am Werk. Ich malte dann mit einem Kumpel in Frankfurt vor dem Kaufhof mehrmals Pflastermalereien in Form von Graffitistyles, da ich die üblichen Pflastermalereien langweilig fand. Dort lernte ich damals Grandmaster Graffiti (geiler Name, was?) kennen, der mir einen Buchtipp gab: Subway Art. Das kaufte ich gleich und war völlig geflasht. Eine Woche später tanzten in der B-Ebene der Hauptwache Zebster und Storm (Battle Squad), die mir einen ersten Kontakt zur, noch sehr kleinen, Szene gaben: Mit DJ Double D aus Offenbach, der damals schon sprühte besuchte ich meinen örtlichen Hero, Near (RTA) in Mainz. Danach ging es schnell. Leute aus allen möglichen Orten riefen bei mir an und wollten mit mir malen gehen. Als erster Gismo aus Mannheim.

Nachts zu den unmöglichsten Uhrzeiten klingelte das Telefon und Telefonkonferenzen mit Teilnehmern aus der ganzen Welt (Australien, Frankreich USA, Schweiz, Deutschland) hingen zusammen in EINER Leitung, wohl über gecrackte Telefonkarten. Meine Eltern flippten aus, aber meine Mutter ermutigte mich unglaublicherweise weiter zu sprühen und kaufte mir sogar einmal Dosen!!! Ansonsten war natürlich racken angesagt, und das in einem unglaublichen Ausmaß…Ja, so begann das.

 

HHWS: Du bist in einigen Crews, auch legendären Crews, wie kam das? Gibt es die Crews heute noch alle?

BOMBER:Zur FBI kam ich über Katmando aus München. Mit dem ich bis Mitte der 90er ziemlich viel abhing. Mit ihm war ich 1990 in Paris und London. In Paris lernte ich Gor, Gawky und Specter kennen. Kurze Zeit später bot ich Gor an GBF zu schreiben. Er bat mich dann FBI zu schreiben. Durch meine Freundschaft mit Can2 kam ich irgendwann um 1994 in die SUK. GHS schrieb ich auch eine Zeit, aber irgendwie verband mich nie viel mit der Crew. War halt doch eigentlich nur Berlinrepresent. Poem (Subway Art) aus New York lernte ich 1994 in München kennen. Er nahm Katmando, mich und Gor auf in eine Crew namens NYC (Nasty Young Criminals), die aber niemand wirklich kennt. Wir schrieben es alle brav, bis wir alle darauf kamen, dass er uns eigentlich nur verarscht haben konnte, den NYC zeigt an, das das Piece unter dem diese Signatur getagt wurde, für unkundige wohl von einem New Yorker Writer gemalt worden sein musste.

Bei Oxygen um 1995 fragten mich dann der Lange und Can2 irgendwann mal ob ich TRD schreiben wollte. Hab ich natürlich gerne gemacht.

Und zu SAA kam ich als erstes 1988, bei meinem ersten Besuch außerhalb Frankfurts, nach Mannheim. Gismo nahm mich damals auf.

YCP ist 2000 gewesen, als Crone und Lunar aus Zagreb bei mir waren und wir in einer Kneipe extrem viel Bier intus hatten, nahmen wir uns einfach gegenseitig in unsere Crews auf.

 

HHWS: Erzähl doch mal wie das bei dir damals war mit dem rumreisen, Leute kennenlernen, malen…du hast diesbezüglich doch sicherlich eine Story parat.

BOMBER: Warte einfach auf meine Memoiren als Writer. Wird extrem lustig. Mal schauen wann ich das schreibe und welcher Verlag es dann veröffentlicht.

 

HHWS: Die legendären Old School Jams 1992 und 1994, organisiert von dir und auch Cutmaster G.B., brachten viele ausländische und vor allem auch New Yorker Hip Hop Artists (europ. & amerik. Künstler: RSC, Mode2, Quik, Sharp, Grandmaster D.S.T., …) nach Frankfurt. Wie war das mit der Organisation der Jams?

BOMBER: Die Organisation war ca. neun Monate Arbeit und wir steckten voll des naiven Enthusiasmus. Wir verschickten damals in alle Welt Poster und Flyer. Mein schon damals nicht kleines Adressbuch musste dafür herhalten und die Frankfurter PR Agentur Leipziger & Partner, in deren Hallen die Jam stattfand, konnte ich dafür gewinnen uns Räume und Unterstützung durch Manpower und Porto zur Verfügung zu stellen. Dass wir das damals ansonsten zu zweit hinbekommen haben, wundert mich noch heute. Allerdings lief nicht alles toll. Uns wurde die Kasse auf misteriöse Weise entleert und die Berliner zeigten auch hier, das sie von der HipHop Kultur nichts verstehen wollten (die angesprochenen Jungs wissen was ich meine) und übernahmen mit Gewalt und Waffen die Jam.

Wir liessen uns nicht entmutigen und organisierten 1994 ein zweites Mal diesen Event, diesmal u.a. mit Futura 2000, Grandmaster Caz und Grandmixer D.ST. Und auch diesmal musste Berlin zeigen, das in Deutschland nix ohne Horror aus dem Eck im Osten geht. Da wurde übrigens schon mal vor über 60 Jahren Größenwahnsinn zelebriert.

Übrigens waren Sie damals keine Oldschool Jams. Ein doofes Wort: Oldschool. Ohne Oldschool keine Newschool. Völlig bescheuert.

 

HHWS: Dieser Überfluss an Einflussmöglichkeiten kann ziemlich schlecht sein für den Nachwuchs, man bekommt in jedem Hip Hop Store seine Dosen und Caps, Magazine und Internetseiten liefern genügend Bilder zum lernen…wie siehst du das? Sollte der Nachwuchs durch die Old School Heads unterrichtet werden, so dass die Kids die Grundgedanken nicht aus den Augen verlieren?

BOMBER: Absolut richtig. HipHop, so habe ich es kennengelernt, ist eine kreative Kultur gewesen. Hierbei wurde der friedliche Wettkampf über eigene oder weiterentwickelte Styles geführt – egal in welchem Sektor: B-Boying, DJ’ing usw. Heute habe ich den Eindruck, verkaufen die alten Headz ihre Skillz und ihre Musik an die Jungen und geben ihr Wissen nicht mehr weiter. Jede Kultur stirbt, wenn nur noch konsumiert und nicht weitergebaut wird. Each one teach one sollte auch hier gelten. Ich kenne dieses Problem gut, da auch ich davon überleben muss und man sich mit Nachwuchs natürlich auch potenzielle Konkurrenz schafft, aber wo wären wir wenn alle so denken? Immer noch am Anfang. Zweites Problem ist, ich habe es schon im Stylefile Magazin geschrieben, die Medien steuern das Thema HipHop mittlerweile wie sie wollen und Klischees rulen stark. Viele Hip Hopper, die auf einmal Geld verdienen, kommen damit null klar und heben komplett ab. Geld ist nur Mittel zum Zweck. Das sollte man nie vergessen. So oder so sollte man nicht alles glauben was man in der Glotze sieht und in der Presse sieht. Ein gesundes Misstrauen kann nie schaden.

Ansonsten sind es mir langsam zu viele Magazine und Medien im Writing. Viele blättern nur noch in Magazinen, anstatt sich von ihrer Umgebung beeinflussen zu lassen. Ich sehe einfach zu viele Bites statt Innovationen. Das kommt auch daher. Viele malen vieles nach. Aber immer wieder bleiben gute Leute hängen, die auch hier über den Tellerrand schauen. Ohne Nachwuchs würde Graffiti sterben. Daher male ich auch gerne mit neuen Leuten, die ich nicht kenne. Bin da sehr offen und habe keine Berührungsängste.

 

HHWS: Muss ein Writer seine Erfahrungen im illegalen Bereich sammeln? (Anm.: dies soll kein Aufruf zum illegalen Malen sein!)

BOMBER: Ein Muss gibt es nicht. Allerdings merkt man, wie jemand an die Sache ran geht ob er illegal malt. Illegales malen erfordert komprimiertes, genau durchdachtes Handeln. Meiner Meinung nach überträgt sich diese Energie definitiv auf das Bild.

 

HHWS: Die Liste deiner Auftraggeber ist ziemlich groß, dazu gehören u.a. das ZDF, BMW oder auch das Bundeskanzleramt Bonn. Wie wichtig sind Aufträge? Wird man da nicht irgendwo in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt?

BOMBER: Ja und oftmals auch nein. Als Auftragsgestalter muss man Kompromisse eingehen, da man auch Dienstleister ist. Allerdings habe ich in letzte zeit vermehrt Aufträge, wo der Kunde sagt: „Mach mal“. Und das ist ein Idealzustand.

 

HHWS: Kannst du eigentlich von deinen künstlerischen Tätigkeiten leben?

BOMBER: Ja, ich male viel Auftragsarbeiten, mittlerweile auch vermehrt Leinwände und arbeite sehr viel am MAC. Hauptsächlich Logogestaltungen, Anzeigen, Broschüren und Illustrationen. Außerdem war ich wohl mit einer der ersten Writer in Deutschland, die Kommunikationsdesign studierten. Ich weiss hier nur von Butler aus München, der vor mir studierte. Smal (ABC Crew) aus München hat z.B. auch studiert und ist mittlerweile bis in die Höhen des Art Directors Club ADC vorgedrungen. Auch Paze aus München, Burns 123 aus Landshut und viele viele andere, wie z.B. Amok oder Kel aus Berlin arbeiten als Grafiker, ob im Printbereich oder multimedialen Bereichen. Letztendlich sind alle in gestalterischen Zweigen tätig. Heutzutage verschmilzt eh alles immer mehr zu einem Berufszweig, den ich am besten mit „Gestalter“ beschreiben würde. Leider bleibt einem keine andere Wahl als in die Gestaltung, da Graffitiwriting oder das Arbeiten mit der Farbspraydose nicht als eigener Berufszweig anerkannt wird.

 

HHWS: Wenn du mal die Vergangenheit mit der Gegenwart vergleichst, was für Unterschiede erkennst du in der Szene?

BOMBER: Sehr viele Menschen dazugekommen. Unüberblickbar. Es gibt keine Szene, nur Leute die sich dem Thema temporär nähern.

 

HHWS: Ist das Wissen über die Entstehung und Entwicklung von Graffiti eine wichtige Sache?

BOMBER:Auf jeden Fall. Keine Zukunft ohne Historie. Daher: Knowledge is King.

 

HHWS: Wie sieht es mit deiner Entwicklung aus?

BOMBER: In welcher Hinsicht? Unnerum immer super ;-).

 

HHWS: Wurdest du mal gebustet?

BOMBER:Ja.

 

HHWS: Spontanität. Was fällt dir zu folgenden Begriffen ein:

New York: Noch nie dagewesen und doch kenne ich’s, glaube ich, gut.
Trains: Die bewegliche Schlange und Leinwand zugleich.
Style: Die Unterscheidung zwischen dir und mir.
Crew: Internationale Freundschaft.
Kunst: U.a. Writing. Eigentlich nicht erklärbar. Der Drang selbst zu erschaffen.
Beef: Ein völlig harmonisches Leben gibt es nicht. Ist eine Erfindung der Werbung. Daher ein Teil des Lebens ohne den man die guten Zeiten nicht schätzen würde – yin yang.
Liebe: Lebenssinn und Inhalt.
Biten: Lernen und Aufbauen. Wenns allerdings immer beim biten bleibt: peinlich.
Canvas: Die Ersatzbefriedigung und der Kompromiss transportabler Oberflächen.
Hip Hop: siehe weiter unten.

 

HHWS: Was beeinflusst dich in Bezug auf deine Kunst? Woher kommen deine Inspirationen?

BOMBER: Früher wie heute finde ich die Bilder von H.R. Giger aus der Schweiz einfach faszinierend. Dann kommen erst mal jede Menge Comics. Aber auch Goya, Mucha, Dali, Max Ernst, Daumier, Haring und diverse Fotografen finde ich gut. Meine Lieblingsrichtung, außerhalb des Writing aber ist Dadaismus. Diese Leute haben tatsächlich versucht den Kunstbegriff ad absurdum zu führen und ein elitäres Bild der Kunst zu zerstören. Sowas könnte Writing durch seine Wildheit und systemaggressiven Attacken vielleicht sogar gelingen, wenn da nicht der schnöde Mammon wäre…

Beim Writen kann ich für immer folgende Götter nennen: Doze, Skeme, Erni, Jon 156, Futura 2000, Phase II, Dondi, Seen, Mode 2, Bando, Shoe, BBC. Wie für viele andere auch waren für mich „Subway Art“ und „Spraycan Art“ für längere Zeit das Maß aller Dinge in dem Bereich, bis ich diverse Kollegen wie Zebster, Webo und allen voran Near kennenlernte, die mir zeigten das es da noch mehr gibt. Für die heutige Zeit nenne ich folgende: Daim, Delta, Loomit, Toast, Dare, Show, Won, Chintz, Cowboy, Hex, Lokiss, Amok (die letzten drei haben leider aufgehört !), Cemnoz, Can 2, Mode 2, Popeye, Number 6, Gor, Gawki, Ces, Flin, Skena, Magic. Es gibt ja so viele gute Leute…

 

HHWS: Wie siehst du deine Zukunft? Wirst du immer Graffiti Writer bleiben?

BOMBER: Tja, wird alles toll und noch toller. Neeee, leider werde ich auch älter und da muss man immer mehr zurücktreten. Deswegen verlagere ich meine Arbeit immer mehr auf Leinwand und auf konzeptionelle Graffitikunst. Gerne würde ich bis ins hohe Alter weitermalen. Ich setze da auf meine Connection zu Gott oder wie man das auch immer nennt.

 

HHWS: Wie wichtig ist dir Hip Hop?

BOMBER: Hm, bedeutet für mich als Graffitikünstler eine Kultur, die aus wenigen Mitteln extrem kreative, wunderbare positive Geschichten hervorgebracht hat. Für mich war es damals bis heute so, als wäre die Welt neu erfunden worden. Ich bin kein reinrassiger Hip Hopper. Ich erfülle also nicht die Katalysatorwerte der selbsterklärten Verfechter des echten Hip Hop (was auch immer das sein soll). Ich höre jede Art von Musik und das schon immer, obwohl ich zugeben muss, das mich Techno oder Electronic Body Music, wie es damals noch hieß, anfangs nicht wirklich begeistern konnte. Egal, heute ist eh alles gesampelt, verwurschtelt und vierzigmal durch irgendwelche Filter usw. gehauen. Und das ist wohl auch okay so.

HipHop war für mich nie mehr als ein Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben. Aber wie viel so etwas wert sein kann, weiss wohl jeder der es schon mal gefühlt hat. Und wir kaufen ja auch keine Produkte, sondern Gefühle (Images). Das so etwas übertragbar sein soll, zeigt der krampfartige Versuch von McDonalds mit viel Gefühl (Ich liebe es, i love it) und hey, wer hätte das gedacht: durch Rap, also Hip Hop Musik, ihren Mampf an das Volk zu bringen. Na so was…

Niemand von uns wusste damals, wie wir damals mit dem Thema in Berührung kamen, was Hip Hop sein sollte. Und das war auch gut so. Hip Hop ist meiner Meinung nach nicht genau definierbar. Die ganze Optik: Sneakers, Hosen, Caps, Shirt, diese ganze optische Kultur ist nicht HipHop, sondern nur ein Teil davon. Ursprünglich als Erkennungszeichen dient es heute eher als massenkompatible Fashion. Das echte Kennenlernen von Personen aus der ganzen Welt, die alle das gleiche Interesse verfolgen, denn ja das ist Hip Hop auch – eine Interessengemeinschaft, ist eines der Highlights dieser Kultur.

Wie mächtig diese angebliche „Randgruppenkultur“ oder „Jugendkultur“ mittlerweile ist, zeigt die Retrowelle nicht nur im Bereich der Sneakerkultur, die ganz klar durch Hip Hop erst entstand.
Hip Hop bedeutet Individualismus und kreieren eines eigenen Styles. In welcher Sparte auch immer. Eigentlich auch Friedfertigkeit und einen fairen Wettkampf mit wenigen Mitteln: Eigentlich die olympischen Spiele derer, die eh nix zu verlieren haben :-).

Weil dieses Konzept international ohne Reibungsverluste durchführbar ist, so einfach und gut ist, hat es sich mittlerweile um den ganzen Globus verbreitet und da Ideen nicht schützbar sind, nimmt sich jeder dieser lustigen Idee an und bearbeitet sie nach seinem Gusto.

Klingt also auch so, als wäre Hip Hop gleichzeitig die Erfindung des OpenSource, oder? Wäre mal ne Abhandlung wert. Aber ich sage Euch, gebt acht: Da gibt es viele Trittbrettfahrer, denen das Thema am Arsch vorbeigeht und die nur ne schnelle Mark machen wollen, denn auch das ist Hip Hop: Business. Und kein kleines. In den USA ist das ein Milliardengeschäft geworden. Hier tun wir uns noch etwas schwer damit, dass echte Gründer und Verfechter mit und von dem leben können. Einzige Ausnahme: Deutsch-Rap. Wobei es da ja auch gerade eher mau ausschaut.

 

HHWS: Vielen Dank für das Interview. Deine letzten Worte bitte…

BOMBER: …